Ukraine-Konvoi

Überwältigt in jeder Hinsicht Das war kein Ausflug, sondern ein 36-Stunden-Marathon – so beschreibt der damalige Präsident des Rotary Clubs Hamburg-Walddörfer, Stefan Schenke, die Soforthilfe-Aktion am 7. und 8. März 2022: 100 Tonnen Hilfsgüter werden vier Tage lang in neun Lkw verladen und dann von einem Lkw-Konvoi an die ukrainische Grenze gebracht: Medikamente, Babysachen und Hygieneartikel, Schlafsäcke, Decken und Zelte – vor allem aber Bio-Lebensmittel: allein 8.000 Flaschen Hafermilch und 10.000 Flaschen Apfelsaft sind im Gepäck. Aufgerufen zur Spendenaktion haben das Gut Wulksfelde und die Gutsküche, fast 38.000 Euro sind an Spenden zusammengekommen – ein fantastisches Ergebnis. Aber eben auch eine perfekte Organisation: Generalstabsmäßig haben Wulksfelde-Geschäftsführer Hauke Rüsbüldt und Restaurant-Inhaber Matthias Gfrörer die spontane Hilfsidee ihrer aus der Ukraine stammenden Auszubildenden umgesetzt: Über seinen Rotary Club aktiviert Rüsbüldt einen befreundeten polnischen Partnerclub, der an der ukrainischen Grenze die Weiterverteilung organisiert. Der Konvoi ist angemeldet, die Lkw-Kennzeichen sind registriert, so dass sich die Wagenkolonne ungehindert mit 80 km/h durch Raureif und Nebel, später durch dichten Neuschnee kämpfen kann. An der Grenze angekommen, werden die Kartons und Paletten mitten in der Nacht umgeladen, bevor die freiwilligen Helfer endlich in einem kleinen Hotel ein wenig zur Ruhe kommen. An Schlaf ist freilich kaum zu denken, zu intensiv sind die Eindrücke. Und auch das Frühstück, so dicht am Kampfgebiet, erscheint den knapp 20 Männern und Frauen reichlich surreal: Der Krieg ist plötzlich ganz nah. Auch auf der Rückreise. Da begegnet den Hamburger Ersthelfern eine lange Fahrzeugkolonne, alle Wagen tragen Rote-Kreuz-Schilder – die Unterstützung der großen Institutionen scheint inzwischen angelaufen. Doch auch Busse mit Menschen aus der Ukraine fahren an ihnen vorbei in Richtung Westen. „Alle hatten traurige Gesichter“, so Schenke. Doch auch im positiven Sinn ist er überwältigt: von der Spendenbereitschaft der Hamburger, von der Tatkraft der Mitarbeiter des Guts Wulksfelde und von der zupackenden Hilfe der weltweit vernetzten Rotarier.

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